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Im Scherbenhaufen namens Pflegeinitiative

Foto: Eve Kohler, Grafik, Canva
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Meine Lieben,

Am 28.4. wurde im Nationalrat die Pflegeinitiative und mit ihr auch ganz viel Hoffnung auf ein stabiles Gesundheitswesen zerschlagen. 

Nun stehe ich da, vor diesem Scherbenhaufen namens Pflegeinitiative. Ich weiss, nicht, welche dieser Scherben auch zu mir gehören. Einen Tag später fehlen mir nicht nur die Worte, ich fühle mich ausgelaugt und müde. Erschöpfter als ich es nach einem Nachtdienst jemals sein könnte. Ich fühle mich ebenfalls zerschlagen. 

Ich stütze mich auf den Besen (den zum Kehren, nicht den zum Fliegen), betrachte den Scherbenhaufen und erinnere mich an die Schläge, die ich während der Debatte im Nationalrat einstecken musste. Zu einigen möchte ich mich hier äussern. Ich werde das allgemein halten, da es mir zuwider ist ad hominem zu gehen. Ich beziehe Stellung, ich schlage nicht zurück.

 

Dennoch sollten wir die Dinge beim Namen nennen: Es waren SVP, FDP und die Mitte, die im Nationalrat die Pflegeinitiative derart verwässert haben, dass sie wirkungslos ist. Ich denke, daran sollten wir uns erinnern, wenn es um die nächsten Wahlen (egal ob Kantonal oder national) geht. 

Bild: Shotshop.com/ Grafik Canva
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Schlag 1

Bereits im ersten Votum, wird unser Erfolg, nämlich eine gewonnene Volksinitiative klein geredet. Es sei die Pandemie dafür ausgenutzt worden. Gleichzeitig suggerieren die Aussagen, das Volk habe das gar nicht so gemeint. Ausgerechnet die SVP, welche den “Volkswillen” über alles stellen will, zweifelt hier genau an diesem Willen. 

Ich glaube nicht, dass ich jemandem im Parlament erklären muss, wie eine Initiative zustande kommt. Wieviel Zeit dies benötigt. Es ist absolut unmöglich in diesem Zeitraum, der uns da unterstellt wird, eine Initiative zu lancieren, die Unterschriften zusammen zu kriegen, sie im Parlament zu beraten und dann noch zur Abstimmung zu bringen.

Hat uns die Pandemie bei der Abstimmung genützt? Wir wissen es nicht. Sicher, vielen in der Bevölkerung ist erst dadurch bewusst geworden, was ein Fachkräftemangel in der Pflege überhaupt bedeutet.

Aber ich lasse mir diesen Erfolg, diese Anerkennung unserer tag- täglichen Leistung nicht nehmen. Und ich finde es respektlos, dass dies immer wieder klein geredet wird. 

Auch wird die Pflegeinitiative erneut als “gewerkschaftlich” betitelt. Zum einen ist mir neu, dass mein Berufsverband eine Gewerkschaft ist. Zum anderen empfinde ich es als despektierlich, dass “gewerkschaftlich” als abwertender Begriff genutzt wird. Respekt geht anders. Und Respekt haben die Gewerkschaften genauso verdient, wie wir Pflegenden. 



Schlag 2

“Die Pflege darf nicht besser gestellt werden als andere Berufe”, beinahe mantra- artig wird das in der Verhandlung wiederholt.  Im selben Atemzug wird die  Höchstarbeitszeit bei 50 Stunden belassen. Obwohl sie bei anderen Berufen (z.B. Detaillhandel) 45 Stunden beträgt. Also schlechter gestellt sein geht schon? Ganz abgesehen davon, dass dies einfach nur ein Zeichen gewesen wäre. Ein Zeichen, mehr nicht. Trotzdem wird uns auch das verwehrt. Könnte es sein, dass es dabei vor allem darum ging, die Pflegenden weiter klein zu halten? Ich weiss es nicht, ich frage nur.  

 

Schlag 3

“Es ist zu teuer”, auch oft wiederholt an diesem 28.4. Dazu werden irgendwelche Zahlen zitiert.  Ich habs nicht mit Zahlen. Hinter dem “es ist zu teuer” höre ich: “Deine Arbeit ist nichts wert. Und deine Gesundheit noch weniger.” Das tut weh. Und ich hätte mir gewünscht, es wäre wenigstens einer oder eine dieser Damen bis Herren so ehrlich gewesen, das genau so zu formulieren.  Kleine Information am Rande: Pflege ist nicht (mehr) gratis. Wäre man fair, hätte man sich auch die anderen Zahlen angeschaut. Wieviel gespart wird, wenn ausreichend Pflegepersonal vorhanden ist. Aber wer ist schon fair, wenn es um seine eigenen Interessen geht? 

 

Schlag 4

“Wenn wir das machen, (es ging um die Reduktion der Wochenarbeitszeit) dann wird der Fachkräftemangel noch grösser.” Diese Aussage ist so bodenlos. Sie heisst: “Ja, es gibt jetzt halt schon zu wenige von Euch, darum können wir eure Arbeitsbedingungen nicht verbessern.” Offensichtlich ist vielen Politikern bis Politikerinnen nicht bewusst, dass auch Pflegende keine Leibeigenen mehr sind und gehen können. Und das tun sie in Scharen. 

 

Schlag 5

 

“Wir dürfen das Gesetz nicht überladen, nicht zu viel regulieren.” Dieser Satz (Schlag) kommt noch, als schon klar ist, dass kaum etwas in diesem Gesetz die Arbeitsbedingungen der Pflege verbessern wird. Ich kann die Damen bis Herren von SVP/FDP/ die Mitte beruhigen: Ihr habt nicht zu viel für uns getan. Ihr habt GAR NICHTS für uns getan. 

 

Bild Shotshop, Grafik Canva
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Fünf Schläge, die ich noch einmal angesehen habe, die ich noch einmal gespürt habe. Fünf Schläge, die mich und meine Kolleginnen bis Kollegen treffen. 

Ich sitze da,  mitten in diesem Scherbenhaufen namens Pflegeinitiative. Fragen prasseln auf mich ein: War alles umsonst? Macht es überhaupt noch Sinn mich zu äussern, wenn ich doch nichts bewirken kann? Wie werden die nächsten Jahre in der Pflege werden? Wann wird unser Gesundheitswesen ebenso zerschellen, wie die Pflegeinitiative? Wie wird es mir dann gehen? Schon bei dem Gedanken daran wird es mir schwindlig und schlecht. Ich bin mir bewusst, wenn es soweit ist, werde ich mitten drin sein. 

 

Ich blicke auf den Scherbenhaufen. Die grossen Stücke sind das, was bleibt. 

Bild Shotshop, Grafik Canva
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  1. Die Pflegeinitiative wurde angenommen, wir stehen in der Verfassung. Niemand kann uns das mehr nehmen. 

 

Die Politikerinnen und Politiker die uns nicht nur unterstützt, sondern für uns gekämpft haben.

Ihnen gilt mein Dank, Sie möchte ich auch namentlich erwähnen, damit auch ihr wisst wer für uns einsteht.

 

Barbara Gysi (SP)

Seit Lancierung der Initiative an unserer Seite. Ihre Ruhe und Sachlichkeit in der Verhandlung sind absolut bewundernswert. Barbara Gisi kennt die Herausforderungen im Gesundheitswesen wie keine Zweite. Von den Aussagen der SVP zum Zustandekommen der Pflegeinitiative liess sie sich nicht irritieren. Sie hat das richtig gestellt. In ihrer souveränen Art und Weise. Danke.

 

Farah Rumy (SP)

Es ist gut zu wissen, dass eine von uns im Bundeshaus ist. Mit ihren Voten hat sie bewiesen: Sie weiss wovon sie spricht. Ihre Voten waren absolu professionell.   Danke. 

 

Patrick Hässig (GLP)

“Was glauben Sie eigentlich, was ich den ganzen Tag mache? Excel - Tabellen ausfüllen?” Niemals werde ich seine Auftritte in der Arena vergessen. Sein Einsatz für die Pflege und für ein tragfähiges Gesundheitswesen ist unermüdlich. Danke. 

 

Sarah Wyss (SP)

Ihre Voten bei der Verhandlung im Nationalrat haben mich beeindruckt. Immer wieder hat sie daran erinnert worum es eigentlich geht: Um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege. Danke. 

 

Unser Berufsverband SBK 

Besonders hervorheben möchte ich:

Sophie Ley

Yvonne Ribi

Christina Schumacher

Annina Bosshard

 

Wir sind gemeinsam durch den gesamten Abstimmungskampf und jetzt auch durch die Verhandlungen des Parlaments. Während ich hier noch die Scherben zusammen kehre, seid ihr bereits wieder dabei etwas Neues daraus zu bauen. Ich weiss, ihr bleibt dran, weil aufgeben auch für euch keine Option ist. Danke. 

 

Unia und VPOD

Die Gewerkschaften. Auch sie sind an unserer Seite. Sie haben mobilisiert und tun es auch weiterhin. Sie erheben die Stimme und lassen sich nicht einschüchtern von Politikern am Rednerpult, die glauben “gewerkschaft” als Schimpfwort umdeuten zu können.

Sie sind hier, sie sind laut, weil sie wissen, was es für gute Pflege braucht. Danke. 

 

Alle meine Kolleginnen bis Kollegen, die sich öffentlich äussern

Folgende möchte ich erwähnen: 

Jan Honegger

Annina Bosshard

Markus Stadler

Ignatius Ounde

Es ist gut zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, die nicht (mehr) schweigt. 

 

Ihr alle, die genannten Politikerinnen und Politiker,  SBK/ Unia/ VPOD seid meine Heldinnen bis Helden. Ihr steht für uns ein und gebt uns eure Stimme. 

An euch halte ich mich fest. An euch orientiere ich mich, während ich den Scherbenhaufen zusammen kehre, die guten Stücke heraus nehme  und schaue, was sich daraus machen lässt. 

 

Eure Pflegehexe

 

Patricia Tschannen

 

Bild Shotshop, Grafik Canva
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Kommentare: 1
  • #1

    Beatrix Pauciello (Montag, 11 Mai 2026 07:00)

    HELDIN
    mit und ohne Besen�