
Zuerst waren da die Schlagzeilen: “Prämienschock wegen der Pflegeinitiative” ,(sinngemäss wiedergegeben). Was ich von dieser halte, konntet ihr in meinem Blog “Was soll das?”, lesen. Danach kam der eigentliche Hammer: Die Gesundheitskommisssion des Nationalrates entschied, die Diskussion zur Umsetzung des Pakets 2 (welches die Arbeitsbedingungen beinhaltet), auf Januar 2026 zu verschieben. Als Begründung wird genannt, man müsse noch mehr über die Folgekosten wissen. Da habe ich so was von ein “Deja vu”.
Schon die Pflegeinitiative an sich hat ihren Ursprung in der Ignoranz des Parlaments, welches im Jahr 2016 Nichteintreten auf die Initiative Joder beschloss. Schon damals haben die Damen bis Herren Politiker geglaubt, der Fachkräftemangel in der Pflege ginge sie nichts an, sei Sache der Kantone oder der Institutionen. Politisch sei da gar nichts zu machen. Vereinzelt wurde sogar behauptet, der Fachkräftemangel sei nicht existent, die Pflege nur am jammern. Dann kam die Pandemie und plötzlich liess sich ein Fakt nicht mehr wegdiskutieren: Pflege ist systemrelevant. Leider hat sich diese Erkenntnis nicht in den Köpfen des Parlaments festgesetzt und so glaubt man wirklich, sich mit der Umsetzung der Pflegeinitiative Zeit lassen zu können. Am liebsten bis zum “Sankt Nimmerleins Tag” oder wie meine Mutter sagte: “Wenn das Neujahr im Sommer” ist.
Ebenfalls diskutieren wir wieder über die möglichen Kosten. Schon während des Abstimmungskampfes war dieses Argument sehr präsent.. Ich finde ja schon die Einstellung: Wenn gute Arbeitsbedingungen zu viel kosten, müsst ihr halt darauf verzichten, völlig absurd.
Nicht die Frage: Was kostet es, wenn wir die Pflegeinitiative umsetzen?, sondern die Frage, Was kostet es, wenn wir es nicht tun?, ist hier ausschlaggebend. Leider ist diese Rechnung ist nicht so einfach, sie wirft nämlich weitere Fragen auf: Was ist ein Menschenleben Wert?, denn diese kostet es, wenn sich der Fachkräftemangel noch weiter verschärft. Wie viel die physische und psychische Gesundheit der Pflegenden?, die bereits jetzt überbeansprucht ist. Und wie steht es mit dem Menschenrecht: “Die Würde des Menschen ist unantasbar” , was ist es wert? Das ist es, was auf dem Spiel steht, wenn die Pflegeinitiative nicht vollständig umgesetzt wird, die Würde des Menschen.
Alle diese Worte habe ich so oder so ähnlich schon einmal geschrieben. Während des Abstimmungskampfes. Der Gedanke, dass all die Energie, all die Kraft, alles Herzblut welches so viele Pflegende, Berufsverbände, Gewerkschaften und Parteien (SP/Grüne) in diesen Abstimmungskampf gesteckt haben, am Ende nutzlos sein könnte, weil die Initiative nicht vollständig umgesetzt wird, ist lähmend.
Dennoch sitze ich wieder an meinem Computer und tippe diese Worte, obwohl ich in dieser Zeit auch bequem auf dem Sofa liegen und ein Buch lesen könnte.
Ich tue es, weil dieser wunderschöne Beruf, es wert ist. Ich tue es, weil ich und all meine Kolleginnen, es wert sind. Ich tue es, weil die Menschen, die Pflege benötigen es wert sind.
Deshalb stehe ich am 22. November 2025 wieder auf dem Bundesplatz und da werden wir es nicht nur noch einmal sagen, da werden wir es schreien!
Wir sehen uns da!
Eure Pflegehexe
Patricia Tschannen
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